Nachhaltigkeitskonzepte

Bereits zu Anfang der 1900er Jahre entwickelten Investoren in den USA aus ihrer ethischen Überzeugung heraus den Wunsch nach speziellen Selektionsfiltern für ihre Portfolios. Beispielhaft sei der Ausschluss von Tabak- oder Alkoholherstellern genannt. Als nächste Evolutionsstufe nachhaltigen Investierens etablierten sich sogenannte Best-in-Class-Ansätze. Diese betrachten Unternehmen ganzheitlich über eine Vielzahl von Einzelthemen aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance. In den einzelnen Bereichen werden Scores vergeben, aus deren Aggregation sich eine "Gesamtnote" ergibt.

Nach dem Fokus auf klare Ausschlusskriterien und Best-in-Class bzw. Integrationsansätzen ist derzeit Impact Investing in aller Munde. Impact versteht sich als die Identifikation von Unternehmen und Aktivitäten, die mindestens eine der sozialen und ökologischen Herausforderungen aktiv angeht, denen sich die Welt gegenüber sieht. Ein typisches Raster dafür sind die 17 im Jahr 2015 von der UN verabschiedeten sogenannten Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung.

Es haben sich darüber hinaus aber auch weitere Raster entwickelt. Ein Beispiel ist hier der von der Warburg Invest AG aus Hannover eingesetzte Global Challenges Fonds. Der zugehörige Index umfasst 50 internationale Aktien besonders nachhaltig handelnder Unternehmen, die sich der Bewältigung von sieben globalen Herausforderungen widmen.

Nachhaltigkeit bei Warburg Invest

1. Mindeststandards für zulässige Investments

Bei allen von der Warburg Invest (WI D) aktiv gesteuerten Portfolio-Management-Produkten kommt ein Nachhaltigkeitsfilter zum Einsatz, der Unternehmen ausschließt, die elementaren Kriterien nicht genügen. Bei dessen Umsetzung wird die Gesellschaft von einer anerkannten ESG Research Agentur unterstützt. Als anerkannte ESG Research Agenturen sind insbesondere MSCI ESG Research und ISS ESG anzusehen.

Bei diesen Kriterien handelt es sich um:

· Involviertheit in kontroverse Waffen, strikter Ausschluss
· Verletzung der UN Global Compact Principles („Fail“), starke Indikation für Ausschluss
· Kontroversenstatus („Red“), starke Indikation für Ausschluss

Als Datenquelle dient das Research einer anerkannten Nachhaltigkeits-Ratingagentur, derzeit MSCI ESG. Grundgesamtheit ist deren vollständiges gecovertes Universum, aktuell ca. 22.000 Einträge.

Diese generelle Ausschlussliste wird von der Einheit Responsible Solutions (RS) vorbereitet und anschließend in der „Working Group ESG“ diskutiert und verabschiedet. Diese kann Titel von der vorgeschlagenen Liste streichen und ggfs. auch nicht von den o.g. Faktoren identifizierte Unternehmen hinzufügen. Solche abweichenden Entscheidungen sind zu begründen und zu dokumentieren.


2. ESG-Integration

Der duale Investmentansatz von WARBURG INVEST setzt sich aus quantitativen und qualitativen Komponenten zusammen. Dabei werden quantitative Modelle, fundamentale und technische Analysen eingesetzt. Die unterschiedliche Gewichtung der einzelnen Ansätze hängt von den Investmentuniversen bzw. Mandantenaufträgen ab.
Neben Fundamental- und Marktkennzahlen werden im Rahmen der Analyse von Unternehmen und Staaten auch ausgewählte ESG-Kennzahlen berücksichtigt. Dabei wird das Portfolio-Management von der fachverantwortlichen Einheit „Responsible Solutions“ der Warburg Invest unterstützt.

3. Das Warburg Invest Responsible-Konzept (W.I.R.):

 (a) Im ersten Schritt werden Unternehmen, die gegen Ausschlusskriterien verstoßen, als Emittent vom Anlageuniversum ausgeschlossen. Ausschlusskriterien sind im Wesentlichen die Geschäftsfelder Glücksspiel, Pornografie, Rüstung, Tabak (wobei auf diese Geschäftsfelder jeweils mindestens 5 Prozent des Umsatzes des betreffenden Emittenten entfallen müssen) sowie das Vorhandensein unternehmerischer Kontroversen, die die jeweils negativste Ausprägung des Kontroversenstatus der jeweils hinzugezogenen ESG Research Agentur erhalten haben. Unter dem Begriff Kontroverse versteht sich unternehmerisches Fehlverhalten mit unterschiedlichem Schweregrad in den Bereichen Umwelt, Soziales oder Governance. Bewertet werden beispielsweise die Verursachung von Umweltschäden, der Verstoß gegen Arbeits- und Menschenrechte, Schädigung von Kunden etwa durch mangelnde Produkt- oder Datensicherheit oder Verletzung der Privatsphäre, Kinderarbeit oder Bestechung.

Im Hinblick auf die Bewertung von Umweltschäden wird darüber hinaus ein besonderes Augenmerk auf die Verminderung des CO2-Fußabdrucks des Portfolios gelegt. Unternehmen, die mehr als 5 Prozent ihres Umsatzes im Bereich fester fossiler Brennstoffe erzielen, sind als Emittenten im Portfolio ausgeschlossen.

(b) Im zweiten Schritt wird die Auswahl beschränkt auf Emittenten, die von MSCI ESG Research oder einer anderen anerkannten, im Verkaufsprospekt bezeichneten ESG Research Agentur in verschiedenen ESG-Ratings als „Leader“ oder „Average“ beziehungsweise vergleichbar klassifiziert worden sind, unter Ausschluss der von dieser Agentur als „Laggards“ \ „unterdurchschnittlich“ oder vergleichbar klassifizierten Titel.

(c) Im Anschluss an die oben beschriebene Festlegung des zulässigen Anlageuniversums ethischer und nachhaltiger Emittenten erfolgt drittens die aktive Titelauswahl durch das Portfoliomanagement.

(d) Die Überprüfung und gegebenenfalls notwendige Anpassung der aufgrund der oben beschriebenen und jeweils angewandten Analyse erfolgten Zusammensetzung erfolgt monatlich. Die Entscheidung über einen Verkauf eines Titels, wenn deren Emittent die oben beschriebenen Kriterien nicht mehr erfüllt, trifft das Portfoliomanagement der Gesellschaft innerhalb von drei Monaten und unter Berücksichtigung der Interessen der Anleger sowie der in diesen Anlagebedingungen niedergelegten Anlagegrenzen.

4. Active Ownership

4.1 Abstimmungsverhalten

Zur Bestimmung des Abstimmungsverhaltens ihrer Nachhaltigkeitsfonds nutzt Warburg Invest zusätzliche Beurteilungen einer externen Nachhaltigkeits-Analyse-Agentur, derzeit ISS ESG.

Diese veröffentlicht Empfehlungen, ob die zur Abstimmung stehenden Tagesordnungspunkte vor dem Hintergrund der gewählten Kriterien („policy“) befürwortet werden sollten oder nicht. Diese Empfehlungen werden in unserem Hause von der „working group ESG“ gewürdigt und die finale Entscheidung getroffen.

4.2 Unternehmensgespräche

ESG-bezogene Informationen gehen uns von verschiedenen Seiten zu, insbesondere von den Research-Partnern, mit denen wir zusammenarbeiten. Unabhängig davon, ob eine Aktie im Rahmen unsers ESG-Konzeptes zulässig ist oder nicht, nutzen wir diese Informationen im Rahmen von Unternehmenspräsentationen und turnusmäßigen Managementkontakten, um besser zu verstehen, wie Unternehmen in diesem Zusammenhang auftreten.

 

5. Gremien

Die konsequente Verankerung des Themas Nachhaltigkeit wird auch verdeutlicht durch die organisatorische Einbindung innerhalb der Gesellschaft.

So wurde die Nachhaltigkeitsstrategie auf Geschäftsführungsebene in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat festgelegt. Zur Bündelung der operativen Aktivitäten und als Impulsgeber wurde die fachverantwortliche Einheit „Responsible Solutions“ etabliert.

Für die Festlegung des Abstimmungsverhaltens und der Öffentlichkeitsarbeit wurde eine „Working Group ESG“ ins Leben gerufen. Diese ist prominent mit der Geschäftsführung, dem Leiter Portfoliomanagement Aktien sowie der Einheit „Responsible Solutions“ besetzt.

 

Stand Juli 2020

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