Engagement Touchpoint Protokoll Talanx AG
Termin: 29.05.2026
Unternehmen: Talanx AG
Teilnehmende: Fabian Hinz (Talanx AG, Investor Relations)
Allgemeine Motivation für Unternehmensdialoge:
Der Engagement-Prozess der Warburg Gruppe wird durch ESG Investment Gremium angestoßen. Derzeit setzt sich dieses aus zwei Mitarbeitern und einem Geschäftsführer der Warburg Invest Kapitalanlagegesellschaft, zwei Mitarbeitern der Vermögensverwaltung der M.M.Warburg & CO, dem Leiter des Investment Offices und der Vermögensverwaltung von Marcard Stein & CO sowie dem ESG Manager von M.M.Warburg & CO zusammen.
Die Vertreter der Warburg Gruppe diskutieren quartalsweise im ESG Investment Gremium schwerwiegende Kontroversen* in Bezug auf Governance, soziale und/ oder ökologische Aspekte. Entscheidet das ESG Investment Gremium sich für einen Engagement-Prozess und das Unternehmen kann im darauffolgenden Dialog die Kontroverse nicht glaubhaft widerlegen oder einen hinreichend guten Umgang mit der Kontroverse nachweisen, wird das Unternehmen zwangsläufig aus dem investierbaren Universum der Warburg Gruppe entfernt.
Unternehmensdialoge erachtet die Warburg Gruppe als wirksames Instrument zur ganzheitlichen Beurteilung von Unternehmen sowie als Möglichkeit, nachhaltigkeitsrelevante Themen zu adressieren als auch unternehmensspezifische ESG-Sachverhalte aktiv zu hinterfragen. Der aktive Dialog versetzt die Warburg Gruppe nicht nur in die Lage, solidere Anlagescheidungen zu fällen, sondern auch infolge einer proaktiven Ansprache Unternehmen für Nachhaltigkeitsthemen zu sensibilisieren. Hiermit wird beabsichtigt, die ökologische Transformation von Geschäftsaktivitäten zu unterstützen und damit gleichzeitig besonders langfristige Investitionen sicherzustellen.
Konkreter Sachverhalt für das Engagement:
In dem Artikel 9 Fonds, dem Warburg Invest Responsible – Corporate Bonds, legen wir großen Wert darauf, Kapital in Projekte zu lenken, die einen positiven überwiegend ökologischen Beitrag leisten. Somit sind Investition in Green Bonds ein wesentlicher Bestandteil unserer Strategie, da wir damit nicht nur finanzielle Renditen erzielen, sondern auch nachhaltige Entwicklungsziele unterstützen. Der Green Bond ermöglicht es uns, Projekte zu fördern, die sich durch ihre positiven Umweltauswirkungen auszeichnen, wie beispielsweise die Verringerung von CO2-Emissionen und die Förderung erneuerbarer Energien.
Zweck des Austauschs ist es, sicherzustellen, dass diese Investitionen tatsächlich die angestrebten, positiven ökologischen Effekte haben. Wir möchten verstehen, wie die Mittel konkret verwendet werden, welche Umweltauswirkungen erzielt wurden und wie diese mit unseren Nachhaltigkeitszielen in Einklang stehen. Durch die stichprobenweise Prüfung der zweckgebundenen Anleihen können wir die Transparenz und Effektivität unserer nachhaltigen Investitionen erhöhen und gleichzeitig dazu beitragen, dass unsere Fonds weiterhin eine führende Rolle im Bereich verantwortungsbewusster Investments einnehmen.
Geschäftsmodell des Emittenten:
Die Talanx AG („Talanx“) ist ein Anbieter mehrerer Marken im Bereich Versicherungen und Finanzdienstleistungen. Der Talanx-Konzern hat Tochtergesellschaften und Niederlassungen auf fünf Kontinenten und unterhält Geschäftsbeziehungen zu Erst- und Rückversicherungskunden in mehr als 175 Ländern.
Das Erstversicherungsgeschäft des Konzerns ist in drei Geschäftsbereiche unterteilt: Industrieversicherung, Privatkunden Deutschland (mit den Sparten Schaden- und Unfallversicherung und Lebensversicherung) und Privatkunden International. Das Geschäftsfeld Rückversicherung besteht aus den Segmenten Schaden-Rückversicherung und Personen-Rückversicherung, die von der Hannover Rück SE betrieben werden.
Zu den wichtigsten Marken der Gruppe gehören Talanx, Hannover Rück und HDI. Letztere wird von Unternehmen der Industrieversicherung und des Privatkundengeschäfts im In- und Ausland genutzt (z.B. HDI Seguros und HDI Sigorta). Weitere wichtige Marken sind E+S Rück, Ampega, WARTA, TARGO-Versicherung, neue leben-Versicherungen und Lifestyle Protection.
Ergebnisse des Unternehmensdialoges / Handlungsempfehlung:
Im Rahmen des Engagements mit Talanx zum Green Bond hat das Unternehmen die gestellten Rückfragen schriftlich beantwortet und dabei insbesondere Einblicke in Reporting, strategische Einordnung sowie Governance-Strukturen gegeben.
Hinsichtlich der Verfügbarkeit von Reporting-Dokumenten wurde erläutert, dass ein Allocation- und Impact-Report nur einmalig bis zur vollständigen Allokation der Mittel erstellt wurde, was im Jahr 2022 erfolgte. Entsprechende Informationen sowie das Green Bond Framework und die externe Second Party Opinion sind über die Investor-Relations-Seite von Talanx öffentlich zugänglich. Dieses Vorgehen entspricht auch der im Framework festgelegten Praxis, wonach eine regelmäßige Berichterstattung nur bis zur vollständigen Allokation vorgesehen ist.
Zur Einordnung des Green Bonds in die Underwriting-Praxis erklärte Talanx, dass das zugrunde liegende Green Bond Framework die Rolle des Underwritings für die Transformation adressiert, allerdings den Stand von 2021 widerspiegelt. Seitdem weiterentwickelte Elemente der Nachhaltigkeitsstrategie – beispielsweise im Umgang mit emissionsintensiven Industrien oder fossilen Übergangstechnologien – sind dort noch nicht berücksichtigt, was auf eine gewisse zeitliche Inkonsistenz zwischen aktueller Praxis und Framework hindeutet.
Bezüglich möglicher zukünftiger Emissionen nach dem EU Green Bond Standard (EUGBS) betont Talanx, dass eine entsprechende Ausgestaltung von verschiedenen Faktoren abhängt. Dazu zählen sowohl finanzielle als auch nicht-finanzielle Aspekte, sodass derzeit keine verbindliche Festlegung auf eine stärkere Ausrichtung an der EU-Regulierung getroffen wurde.
Im Hinblick auf die Steuerung von Impact-Kennzahlen verwies Talanx auf bestehende konzernweite Nachhaltigkeitsziele in der Kapitalanlage. Dazu gehört insbesondere das Klimastrategieziel, die unternehmenswertbasierte Treibhausgasintensität der finanzierten Scope-1- und Scope-2-Emissionen bis 2030 um 55 % gegenüber 2019 zu reduzieren. Ergänzend wurde ein sektorspezifisches Ziel für den Öl- und Gassektor genannt, wonach der Anteil entsprechender Investitionen in liquiden Unternehmensanleihen bis 2030 von 5,7 % auf 4,5 % verringert werden soll. Diese KPIs stellen zentrale Steuerungsgrößen dar, auch wenn sie nicht ausschließlich auf den Green Bond bezogen sind.
Zu möglichen Konsequenzen bei Zielverfehlungen führte Talanx aus, dass der betrachtete Green Bond bereits vollständig alloziert ist, sodass direkte Steuerungsmaßnahmen auf Produktebene nicht mehr greifen. Gleichwohl überwacht das Green Bond Committee die Entwicklung des zugrunde liegenden Portfolios weiterhin quartalsweise ex post. Dieses Gremium, das auch laut Framework eine zentrale Rolle bei Auswahl und Monitoring der Projekte spielt und vom CFO geleitet wird, stellt damit eine kontinuierliche Governance-Struktur sicher.
Abschließend wurde zur Sensitivität des Impacts erläutert, dass dieser primär von den vermiedenen CO₂-Emissionen abhängt. Da das Portfolio aus Wind- und Solarparks sowie Immobilien besteht, ist der Effekt nicht von Einspeisevergütungen abhängig. Wetterbedingte Schwankungen werden durch die Verwendung von Durchschnittswerten implizit berücksichtigt, wodurch sich eine gewisse Glättung der Impact-Kennzahlen ergibt.
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