Nike Engagement Protokoll

Apr 25, 2023

Engagement Protokoll

Termin:           31.01.2022, 16:00 Uhr

Unternehmen: NIKE, Inc.

Teilnehmer:    J. Cupps (Nike, Inc.)

  1. Kalra (Nike, Inc.)
  2. Mock (ESG Office Warburg Invest KAGmbH)
  3. Koch (Portfoliomanagement Warburg Invest KAGmbH)
  4. Peach (Portfoliomanagement M.M.Warburg & CO)
  5. Saerbeck (Portfoliomanagement M.M.Warburg & CO)

Allgemeine Motivation für Unternehmensdialoge:

Der Engagement-Prozess der Warburg Gruppe wird durch ESG Gremium angestoßen. Derzeit setzt sich dieses aus zwei Mitarbeitern und einem Geschäftsführer der Warburg Invest Kapitalanlagegesellschaft, zwei Mitarbeitern der Vermögensverwaltung der M.M.Warburg & CO, dem Leiter des Investment Offices und der Vermögensverwaltung von Marcard Stein & CO sowie dem ESG Manager von M.M.Warburg & CO zusammen.

Die Vertreter der Warburg Gruppe diskutieren quartalsweise im ESG Gremium schwerwiegende Kontroversen* in Bezug auf Governance, soziale und/ oder ökologische Aspekte. Entscheidet das ESG Gremium sich für einen Engagement-Prozess und das Unternehmen kann im darauffolgenden Dialog die Kontroverse nicht glaubhaft widerlegen oder einen hinreichend guten Umgang mit der Kontroverse nachweisen, wird das Unternehmen zwangsläufig aus dem investierbaren Universum der Warburg Gruppe entfernt.

Unternehmensdialoge erachtet die Warburg Gruppe als wirksames Instrument zur ganzheitlichen Beurteilung von Unternehmen sowie als Möglichkeit, nachhaltigkeitsrelevante Themen zu adressieren als auch unternehmensspezifische ESG-Sachverhalte aktiv zu hinterfragen. Der aktive Dialog versetzt die Warburg Gruppe nicht nur in die Lage, solidere Anlagescheidungen zu fällen, sondern auch infolge einer proaktiven Ansprache Unternehmen für Nachhaltigkeitsthemen zu sensibilisieren. Hiermit wird beabsichtigt, die ökologische Transformation von Geschäftsaktivitäten zu unterstützen und damit gleichzeitig besonders langfristige Investitionen sicherzustellen.

Konkreter Sachverhalt für das Engagement:

Die jüngsten Vorwürfe bezüglich der Arbeitsstandards in Nikes Lieferkette standen im Zusammenhang mit der indirekten Rolle bei der Beschaffung von Waren von Lieferanten, die angeblich Uiguren und andere ethnische Minderheiten aus von der chinesischen Regierung geförderten Arbeitsvermittlungsprogrammen beschäftigen.

Die jüngsten Vorwürfe bezüglich der Arbeitsstandards in Nikes Lieferkette standen im Zusammenhang mit der indirekten Rolle bei der Beschaffung von Waren von Lieferanten, die angeblich Uiguren und andere ethnische Minderheiten aus von der chinesischen Regierung geförderten Arbeitsvermittlungsprogrammen beschäftigen.

Obwohl Nike dieses Thema auf seiner letzten jährlichen Aktionärsversammlung ausführlich erörtert hat und zu dem Schluss gekommen ist, dass das Netzwerk der Tier-1-Lieferanten frei von Zwangsarbeit zu sein scheint, bleibt die Frage, wie Nike sicherstellen kann, dass diese Tier-1-Lieferanten selbst nicht von Zwangsarbeit bei der Beschaffung ihrer Baumwolle profitieren. Da die meiste chinesische Baumwolle aus der XUAR-Region stammt, wäre es für die Anleger wünschenswert zu wissen, ob Nike in der Lage ist, möglicherweise kontroverse Baumwollbeschaffungen zu identifizieren, auch wenn es als Unternehmen selbst keine Baumwolle direkt einkauft.

Geschäftsmodell des Emittenten:

Nike gehört zu den größten Schuh- und Bekleidungsverkäufern der Welt. Obwohl die Schuhe des Unternehmens speziell für sportliche Zwecke entwickelt werden und Investitionen in Innovation und hochwertige Produkte getätigt werden, werden die meisten Produkte in der Regel im Alltag und in der Freizeit getragen. Nike vertreibt auch Sportausrüstung und -zubehör wie Bälle, Brillen, Taschen, Handschuhe, digitale Geräte sowie Freizeitartikel für zahlreiche Sport- und Outdoor-Aktivitäten. Das Unternehmen richtet sich an Männer, Frauen, junge Sportler und Kinder. Die Produkte von Nike sind in sechs Kategorien unterteilt: Running, Basketball, Jordan Brand, Fußball, Training und Sportswear (Lifestyle-Produkte), wobei Running, Jordan und Sportswear die umsatzstärksten sind.

Nike greift bei der Herstellung seiner Artikel auf externe Auftragnehmer zurück. Es handelt sich um mehr als 145 Schuhfabriken und über 400 Bekleidungsfabriken, meist außerhalb der Vereinigten Staaten.

Ergebnisse des Unternehmensdialoges / Handlungsempfehlung:

Zu Beginn des Gesprächs hat John Cupps, der Finance Director & ESG Lead bei Nike, mit den Vertretern der Warburg Gruppe abgestimmt, ob er eine allgemeinere Einführung zu den ESG-Prozessen geben kann oder ob direkt mit den konkreten Rückfragen von Warburg-Seite gestartet werden solle. Aufgrund des knappen Zeitfensters von einer halben Stunde wurde beschlossen, direkt auf die Rückfragen von Warburg bezüglich der ESG-Policy von Nike einzugehen.

Es wurde gefragt, inwiefern Nike Ausbeutung von Uyghuren und weiteren Minderheiten bei der Produktion in China vermeiden kann. Wie in der Hauptversammlung von Nike im Jahr 2022 wurde daraufhin von Cupps betont, dass Nike keine Baumwolle oder Rohstoffe direktbezieht.

Die Antwort von Nike war an dieser Stelle recht allgemein. Cupps ist verstärkt auf Nikes Verhaltenskodex für Zulieferer ("Supplier Code") und Code Leadership Standards ("CLS") eingegangen. Er sagte, dass Nike grundsätzlich lange Geschäftsbeziehungen mit den Zulieferern anstrebe – in der Regel bestünden Kooperationen bereits 15 Jahre und länger. Die Einhaltung der genannten Standards werde regelmäßig in angekündigten und unangekündigten Audits überprüft. Sollten die Erwartungen von Nike in ökologischer oder sozialer Hinsicht dabei nicht erfüllt werden, sucht Nike das Gespräch mit den Zulieferern, um eine Veränderung der Umstände herbeizuführen.

Der genannte Standard wurde 2021 überarbeitet: In diesem Zuge wurden Nikes Erwartungen an die Identifizierung und Bekämpfung von Zwangsarbeit, Kinderarbeit und Vereinigungsfreiheit gestärkt, indem die betrachteten Risiken über das Gehalt hinaus auf Freizügigkeit, Schuldknechtschaft und den Aufbau ausreichender Systeme zur Verwaltung von Beschäftigungsverhältnissen von gefährdeten Arbeitnehmergruppen wie ausländischen Arbeitnehmern erweitert worden ist. Die Kontrolle der Standards wurde im Jahr 2021 noch für 85 Prozent der Einrichtungen in Nikes erweiterten Lieferkette und 100 Prozent der Fertigwarenlieferanten durchgeführt. Bis 2025 strebt Nike an, den Anteil der Materiallieferanten zu erhöhen. So sollen die wichtigsten Materiallieferanten, die etwa 90 Prozent der Obermaterialien für Schuhe und Bekleidung liefern, sowie die Schwerpunktvertriebszentren, die mindestens 80 Prozent des Handelsvolumens ausmachen, ebenfalls einem Audit unterzogen werden.

Darüber hinaus möchte Nike eine Gruppe von Mitarbeitern einstellen, die sich dezidiert mit Upside und Downside-Analysen der Lieferketten beschäftigen. Dieses Projekt befindet sich allerdings noch in der Pilotierung. Im Frühjahr des Jahres 2023 soll ein Sustainability Report erscheinen, der weitere Analysen beinhalten soll.

Das ESG Gremium hat sich einstimmig dafür entschieden, Nike vorerst freizugeben, im Sommer 2023 allerdings anhand des Sustainability Reports eine erneute Prüfung vorzunehmen, um die Ergebnisse der angekündigten Prozesse zu evaluieren.

Das vollständige Protokoll lesen Sie hier.

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