26. Januar 2026

Sektor Industrie: ein Glanzlicht am europäischen Aktienmarkt

Der europäische Aktienindex Stoxx600 repräsentiert 17 Länder aus Europa (inkl. Europäische Länder außerhalb des Euro, wie z.B. Schweiz und Großbritannien). Wie der Name bereits vermuten läßt, sind insgesamt 600 Unternehmen unterschiedlicher Größe darin enthalten. Die Gewichtung der einzelnen Unternehmen erfolgt nach Marktkapitalisierung.

Nach der Branche „Finanzen“ stellt der Bereich „Industrie“ den zweitgrößten Anteil am Gesamtindex. Der Branchenindex Stoxx600 Industrial Goods & Services hat einen Anteil von ca. 20% am Stoxx600 und umfaßt im Vergleich zu anderen Branchen eine eher hohe Anzahl von einzelnen Unternehmen, nämlich 116. Zudem sind diese in ihrem Charakter / Schwerpunkt sehr heterogen, was diesen Subindex außerordentlich vielseitig macht.

Die höchsten Gewichte sind „klassische“, breit aufgestellte Industrieunternehmen, wie z.B. Siemens, Schneider Electric und ABB. In der jüngsten Vergangenheit sind durch die steigenden Kurse, mithin höhere Marktkapitalisierung, viele Verteidigungs- und Rüstungsunternehmen in der Gewichtung aufgerückt. Ansonsten sind die nachfolgenden Unterbereiche extrem heterogen und von z.B. Elektrifizierung, Logistik, Maschinenbau und (Ingenieur-) Dienstleistungen usw. geprägt.

Die langfristig positive Wertentwicklung ist auch auf die Fähigkeit der Firmen begründet, sich im Zeitverlauf ständig neu zu erfinden. Sei es mit innovativen Produkten oder mit teilweise drastischen Veränderungen in der allgemeinen Ausrichtung. So werden einige Unternehmen zu Nahtstellen zwischen (klassischem) Maschinenbau und Informationstechnik / Künstlicher Intelligenz. Hier werden viele Schnittstellen herausgearbeitet, etwa in dem Bereich Bau und Betrieb von Datencentern. Auch z.B. der Bereich Robotic und Automatisierungstechnik nimmt bei einigen Anbietern einen deutlich größeren Raum ein. In einigen Bereichen verschwimmt so eine klare Abgrenzung zu reinen Technologieanbietern, da es eine Orientierung hin zu neuer Technologie gibt und es oftmals zu einer vertieften Zusammenarbeit mit der Technologiebranche kommt.

Insgesamt spielt der auch Bereich „Elektrifizierung“ eine größer werdende Rolle. Unternehmen, die nicht nur auf Energieerzeugung, sondern auch auf deren Verteilung fokussiert sind, profitieren von der grundsätzlichen Entwicklung. Einige Stichworte sind z.B. Netzwerkkomponenten, Leitungsherstellung/Glasfaser und allgemeiner Energietransport.

Ein kurzer Blick auf die fundamentale Bewertung der Branche zeigt eine etwas höhere Bewertung als der breite Markt an. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis KGV beträgt aktuell ca. 26 für den Industriesektor, verglichen mit einem KGV von ca. 17 des Marktes. Da es sich bei vielen Unternehmen, wie oben beschrieben, in Teilen um Technologieanbieter handelt, erscheint eine grundsätzlich höhere Bewertung aufgrund dynamischerer Gewinnentwicklungsaussichten allerdings gerechtfertigt.

Auch der insbesondere in der jüngeren Vergangenheit angestiegene Anteil an Rüstungstiteln sorgt für eine erhöhte Bewertung. Hier haben die aufgelaufenen Kursgewinne für eine Ausweitung der Bewertungskennziffern gesorgt. Hier muß die Gewinnentwicklung noch folgen, was aber z.B. durch einen extrem hohen Auftragsbestand auch sehr wahrscheinlich erscheint.

Werfen wir noch einen Blick auf die langfristige Wertentwicklung der Branche, auch relativ zum Gesamtmarkt.

Im Chart ist die sehr langfristige Wertentwicklung seit den 90er Jahren abgebildet. Während des gesamten Zeitraumens ist die Branche per Saldo deutlich gestiegen. Wie auch am Gesamtmarkt, kam es in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends zu einer volatilen / schwankungsintensiven Seitwärtsbewegung. Spätestens mit dem charttechnischen Ausbruch auus dieser Seitwärtsphase vor ca. 15 Jahren, erfolgte ein positiver Schub. Aktuell konnte der Index ein neues historisches Hoch erklimmen.

Sektor Industrie

Quelle: Bloomberg, Stoxx, Warburg Invest

Die untere Linie stellt die relative Wertentwicklung des Branchenindex gegenüber dem Gesamtmarkt dar. Hier ist zu erkennen, daß der Industriesektor seit ca. einem Vierteljahrhundert(!) eine noch positivere Wertentwicklung als der breite Markt aufzeigen kann. Die einzelnen Unternehmen dieser Branche haben in der Vergangenheit bewiesen, daß sie durch innovative Produkte, gutes Management und Preisetzungsmacht eine besondere Marktstellung haben halten können.

Das sorgt für eine hohe Wahrscheinlichkeit, daß die relative Stärke des Sektors auch zukünftig erhalten bleibt und sich somit Glanzbild am europäischen Aktienmarkt präsentiert. 

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