"Old Economy" schlägt zurück - Warum klassische Aktien wieder steigen
In den letzten Quartalen zeigt sich am Aktienmarkt eine überraschende Trendwende: Titel aus traditionellen Wirtschaftssektoren entwickeln sich deutlich besser als die viel gelobten „Magnificent 7“ oder der gehypte Bitcoin.
Nur wenige hätten erwartet, dass sich die Aktien eines klassischen Stahlkonzerns wie ArcelorMittal innerhalb von sechs Monaten nahezu verdoppelt, während Nvidia im gleichen Zeitraum seitwärts läuft. Selbst lange kritisierte Brauerei-Aktien – etwa Anheuser-Busch InBev – schlagen plötzlich die Tech-Giganten.

Quelle: Bloomberg, Warburg Invest
Warum diese Trendwende?
Was treibt die Stärke der „Old Economy“ – und wie nachhaltig ist sie?
Eine einfache Erklärung à la „Value läuft wieder“ greift zu kurz. Neben regulatorischen Veränderungen wie CBAM, neuen Zöllen und einem schwächeren US-Dollar (–3,7 % gegenüber dem EUR in sechs Monaten) wirken vor allem drei strukturelle Faktoren.
1. KI-Investitionen lösen einen Investitionsboom in der Old Economy aus
Die exponentiell steigenden Ausgaben für KI-Infrastruktur – von Rechenzentren über Stromversorgung bis zu Industriegütern – wirken wie ein gigantisches Konjunkturprogramm für klassische Industrieunternehmen.
Gleichzeitig geraten Tech-Konzerne unter Druck: Die operativen Cashflows reichen zunehmend nicht mehr aus, um die massiven Investitionen zu finanzieren. Die Verschuldung steigt.
Bestes Beispiel ist Oracle, dessen Nettoverschuldung 2025 auf rund 3× EBITDA anwachsen dürfte – damit steht das Unternehmen bilanziell riskanter da als ein Zykliker wie BASF.
Der Markt erinnert sich damit an eine alte Wahrheit: Positive Cashflow-Renditen sind besser als Rieseninvestitionen mit fraglicher Rendite.
2. KI-Disruption trifft Software – aber nicht die physische Welt
Seit Monaten wird diskutiert, welche Sektoren durch KI-Agenten oder KI-Modelle ersetzt werden könnten: Kundenservice? Vertragswesen? Steuerberatung?
Aber wohl kaum die Produktion von Stahl, Getränken oder Maschinen.
Diese Unternehmen – gewissermaßen „Hardware-Produzenten“ im weitesten Sinne – gelten als kaum ersetzbar. In einer Zeit, in der niemand die potenzielle KI-Disruption verlässlich quantifizieren kann, bieten sie Anlegern einen gewissen Schutz gegen dieses unkalkulierbare Risiko.
3. Positionierungswende: Kapital fließt aus den USA und Tech heraus
Die Anlegerpositionierung war zuletzt extrem USA- und Tech-lastig. Nun läuft dieser Trend zurück – und das hat enorme Effekte.
Ein Blick auf die BVI-Statistiken (Publikumsfonds, Deutschland) zeigt:
Anleger sind 1,5× stärker in US-Magnificent-7-Werten investiert als in ganz Europa + Japan zusammen. Global betrachtet liegt dieser Faktor sogar bei 3×. Eine Umschichtung von nur 10 % aus den USA heraus könnte die Nachfrage nach europäischen und asiatischen Aktien um bis zu 30 % erhöhen.
Und das betrifft allein Publikumsfonds in Deutschland – institutionelle Anleger sind darin noch gar nicht enthalten.
Ausblick
Solange sich die massiven KI-Investitionen nicht in klar sichtbaren Renditen auszahlen, dürfte dieser Trend anhalten. In einem geopolitisch unsicheren Umfeld und angesichts politischer Risiken bevorzugen Märkte zunehmend Unternehmen mit stabiler, planbarer Cashflow-Generierung.
Die „Old Economy“ könnte damit weiter outperformen – vielleicht länger, als viele erwarten.
Disclaimer:
Diese Information gibt lediglich die persönliche Einschätzung des Autors bzw. der Gesellschaft zu einem situativen Marktgeschehen wieder und ist weder ein Angebot noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots, sondern dient allein der Einordnung und Darstellung von möglichen geschäftlichen Aktivitäten. Diese Information erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und ist daher unverbindlich. Sie stellt keine Empfehlung zum eigenständigen Erwerb von Finanzinstrumenten dar, sondern dient allenfalls als Vorschlag für eine mögliche Vermögensstrukturierung. Die hierin zum Ausdruck gebrachten Meinungen können sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern. Die dargestellten Informationen werden nach ihrer Veröffentlichung nicht aktualisiert. Soweit Aussagen über Preise, Zinssätze oder sonstige Indikationen getroffen werden, beziehen sich diese daher ausschließlich auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung der Information und enthalten keine Aussage über die zukünftige Entwicklung, insbesondere nicht hinsichtlich zukünftiger Gewinne oder Verluste. Diese Information und stellt ferner keinen Rat oder eine Empfehlung dar. Vor Abschluss eines in dieser Information etwaig dargestellten Geschäfts ist auf jeden Fall eine individuelle kunden- und produktgerechte Beratung erforderlich. Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Medien sowie sonstige Veröffentlichung des gesamten Inhalts oder von Teilen ist ohne die schriftliche Zustimmung der Warburg Invest Kapitalanlagegesellschaft mbH unzulässig.