Engagement Touchpoint Protokoll ING-DiBa AG
Termin: 20.05.2026
Unternehmen: ING-DiBa AG
Teilnehmende: Artur Zahn (ING-DiBa AG, Group Treasury)
Allgemeine Motivation für Unternehmensdialoge:
Der Engagement-Prozess der Warburg Gruppe wird durch ESG Investment Gremium angestoßen. Derzeit setzt sich dieses aus zwei Mitarbeitern und einem Geschäftsführer der Warburg Invest Kapitalanlagegesellschaft, zwei Mitarbeitern der Vermögensverwaltung der M.M.Warburg & CO, dem Leiter des Investment Offices und der Vermögensverwaltung von Marcard Stein & CO sowie dem ESG Manager von M.M.Warburg & CO zusammen.
Die Vertreter der Warburg Gruppe diskutieren quartalsweise im ESG Investment Gremium schwerwiegende Kontroversen* in Bezug auf Governance, soziale und/ oder ökologische Aspekte. Entscheidet das ESG Investment Gremium sich für einen Engagement-Prozess und das Unternehmen kann im darauffolgenden Dialog die Kontroverse nicht glaubhaft widerlegen oder einen hinreichend guten Umgang mit der Kontroverse nachweisen, wird das Unternehmen zwangsläufig aus dem investierbaren Universum der Warburg Gruppe entfernt.
Unternehmensdialoge erachtet die Warburg Gruppe als wirksames Instrument zur ganzheitlichen Beurteilung von Unternehmen sowie als Möglichkeit, nachhaltigkeitsrelevante Themen zu adressieren als auch unternehmensspezifische ESG-Sachverhalte aktiv zu hinterfragen. Der aktive Dialog versetzt die Warburg Gruppe nicht nur in die Lage, solidere Anlagescheidungen zu fällen, sondern auch infolge einer proaktiven Ansprache Unternehmen für Nachhaltigkeitsthemen zu sensibilisieren. Hiermit wird beabsichtigt, die ökologische Transformation von Geschäftsaktivitäten zu unterstützen und damit gleichzeitig besonders langfristige Investitionen sicherzustellen.
Konkreter Sachverhalt für das Engagement:
In dem Artikel 9 Fonds, dem Warburg Invest Responsible – Corporate Bonds, legen wir großen Wert darauf, Kapital in Projekte zu lenken, die einen positiven überwiegend ökologischen Beitrag leisten. Somit sind Investition in Green Bonds ein wesentlicher Bestandteil unserer Strategie, da wir damit nicht nur finanzielle Renditen erzielen, sondern auch nachhaltige Entwicklungsziele unterstützen. Der Green Bond ermöglicht es uns, Projekte zu fördern, die sich durch ihre positiven Umweltauswirkungen auszeichnen, wie beispielsweise die Verringerung von CO2-Emissionen und die Förderung erneuerbarer Energien.
Zweck des Austauschs ist es, sicherzustellen, dass diese Investitionen tatsächlich die angestrebten, positiven ökologischen Effekte haben. Wir möchten verstehen, wie die Mittel konkret verwendet werden, welche Umweltauswirkungen erzielt wurden und wie diese mit unseren Nachhaltigkeitszielen in Einklang stehen. Durch die stichprobenweise Prüfung der zweckgebundenen Anleihen können wir die Transparenz und Effektivität unserer nachhaltigen Investitionen erhöhen und gleichzeitig dazu beitragen, dass unsere Fonds weiterhin eine führende Rolle im Bereich verantwortungsbewusster Investments einnehmen.
Geschäftsmodell des Emittenten:
Das Geschäftsmodell der ING-DiBa AG basiert auf dem Prinzip einer digitalen Direktbank, die ohne flächendeckendes Filialnetz operiert und ihre Leistungen hauptsächlich über Online- und Mobile-Banking anbietet. Durch die daraus resultierende schlanke Kostenstruktur kann die Bank ihren Kunden vergleichsweise günstige Konditionen bieten und gleichzeitig effizient wachsen. Ertragsseitig steht insbesondere das klassische Zinsgeschäft im Vordergrund, also die Vergabe von Krediten – etwa Immobilienfinanzierungen und Konsumentenkredite – finanziert über Kundeneinlagen wie Tagesgeld oder Girokonten; ergänzend erzielt die ING Einnahmen aus Provisionen, beispielsweise durch Wertpapiergeschäfte, ETF-Sparpläne oder Versicherungsprodukte. Insgesamt setzt das Modell auf Standardisierung, einfache Produkte und hohe Skalierbarkeit, um profitabel ein breites Privatkundensegment zu bedienen.
Ergebnisse des Unternehmensdialoges / Handlungsempfehlung:
Zu Beginn des Gesprächs stellte sich das ESG Office von Warburg Invest vor und erläuterte, dass im Rahmen nachhaltiger Investments insbesondere der Nachweis eines positiven Impacts entscheidend ist, weshalb Green-Bond-Frameworks und zugehörige Impact Reports systematisch analysiert werden. Anschließend wurde nach dem Veröffentlichungsstand der Green Bond Allocation und Impact Reports gefragt, worauf bestätigt wurde, dass die entsprechenden Berichte für 2025 bereits publiziert wurden.
Im Themenblock Lending lag der Fokus auf der Zusatzwirkung von Green Bonds. Es wurde hinterfragt, ob Finanzierungen für grüne Gebäude oder erneuerbare Energien auch ohne das Green-Bond-Format erfolgt wären und ob es vergünstigte Konditionen gebe. Hierzu wurde erläutert, dass Kreditnehmer in diesen Bereichen teilweise tatsächlich von günstigeren Zinssätzen profitieren, wodurch ein Anreiz für nachhaltige Projekte geschaffen wird.
Im Abschnitt Green Buildings wurde die Verwendung interner Kriterien anstelle externer Zertifizierungen wie BREEAM thematisiert. ING begründete dies damit, dass eigene beziehungsweise regulatorische Kriterien als verlässlicher und objektiver angesehen werden, da externe Zertifikate teils uneinheitliche Bewertungsmaßstäbe haben. Konkret wurde erklärt, dass beispielsweise bei Bestandsgebäuden nur Objekte im Top‑15 %-Segment hinsichtlich Primärenergieverbrauch berücksichtigt werden, was eine vergleichbare und standardisierte Auswahl ermöglichen soll.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Thema Reporting und Regulierung. Es wurde bestätigt, dass ING aktuell sowohl den ICMA Green Bond Principles folgt als auch – zumindest für Teile des Portfolios, insbesondere im Wohnimmobilienbereich – die Anforderungen der EU-Taxonomie erfüllt. Dennoch wurde deutlich gemacht, dass eine vollständige Anwendung des EU Green Bond Standards derzeit nicht möglich ist, da insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien nicht alle DNSH-Kriterien eingehalten werden können. Entsprechend wäre in der Praxis eine parallele Nutzung verschiedener Standards erforderlich.
Abschließend wurden makroökonomische und politische Rahmenbedingungen diskutiert, insbesondere steigende Zinsen und geopolitische Unsicherheiten. Es wurde angemerkt, dass diese Faktoren tendenziell die Finanzierung von Projekten erschweren könnten, gleichzeitig aber erneuerbare Energien strategisch an Bedeutung gewinnen. Dennoch wurde klargestellt, dass aktuell weder eine deutlich steigende Nachfrage nach Green Bonds noch ein sogenanntes „Greenium“ (Preisvorteil grüner Anleihen) beobachtet wird. Das Gespräch endete mit dem Hinweis, dass nach Durchsicht weiterer Berichte möglicherweise noch Folgefragen gestellt werden.
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