Engagement Touchpoint Protokoll E.ON SE

Termin:                     15.05.2026

Unternehmen:           E.ON SE

Teilnehmende:           Piipa Poutiainen (E.ON SE, Investor Relations)

Allgemeine Motivation für Unternehmensdialoge:

Der Engagement-Prozess der Warburg Gruppe wird durch ESG Investment Gremium angestoßen. Derzeit setzt sich dieses aus zwei Mitarbeitern und einem Geschäftsführer der Warburg Invest Kapitalanlagegesellschaft, zwei Mitarbeitern der Vermögensverwaltung der M.M.Warburg & CO, dem Leiter des Investment Offices und der Vermögensverwaltung von Marcard Stein & CO sowie dem ESG Manager von M.M.Warburg & CO zusammen.

Die Vertreter der Warburg Gruppe diskutieren quartalsweise im ESG Investment Gremium schwerwiegende Kontroversen* in Bezug auf Governance, soziale und/ oder ökologische Aspekte. Entscheidet das ESG Investment Gremium sich für einen Engagement-Prozess und das Unternehmen kann im darauffolgenden Dialog die Kontroverse nicht glaubhaft widerlegen oder einen hinreichend guten Umgang mit der Kontroverse nachweisen, wird das Unternehmen zwangsläufig aus dem investierbaren Universum der Warburg Gruppe entfernt.

Unternehmensdialoge erachtet die Warburg Gruppe als wirksames Instrument zur ganzheitlichen Beurteilung von Unternehmen sowie als Möglichkeit, nachhaltigkeitsrelevante Themen zu adressieren als auch unternehmensspezifische ESG-Sachverhalte aktiv zu hinterfragen. Der aktive Dialog versetzt die Warburg Gruppe nicht nur in die Lage, solidere Anlagescheidungen zu fällen, sondern auch infolge einer proaktiven Ansprache Unternehmen für Nachhaltigkeitsthemen zu sensibilisieren. Hiermit wird beabsichtigt, die ökologische Transformation von Geschäftsaktivitäten zu unterstützen und damit gleichzeitig besonders langfristige Investitionen sicherzustellen.

Konkreter Sachverhalt für das Engagement:

In dem Artikel 9 Fonds, dem Warburg Invest Responsible – Corporate Bonds, legen wir großen Wert darauf, Kapital in Projekte zu lenken, die einen positiven überwiegend ökologischen Beitrag leisten. Somit sind Investition in Green Bonds ein wesentlicher Bestandteil unserer Strategie, da wir damit nicht nur finanzielle Renditen erzielen, sondern auch nachhaltige Entwicklungsziele unterstützen. Der Green Bond ermöglicht es uns, Projekte zu fördern, die sich durch ihre positiven Umweltauswirkungen auszeichnen, wie beispielsweise die Verringerung von CO2-Emissionen und die Förderung erneuerbarer Energien.

Zweck des Austauschs ist es, sicherzustellen, dass diese Investitionen tatsächlich die angestrebten, positiven ökologischen Effekte haben. Wir möchten verstehen, wie die Mittel konkret verwendet werden, welche Umweltauswirkungen erzielt wurden und wie diese mit unseren Nachhaltigkeitszielen in Einklang stehen. Durch die stichprobenweise Prüfung der zweckgebundenen Anleihen können wir die Transparenz und Effektivität unserer nachhaltigen Investitionen erhöhen und gleichzeitig dazu beitragen, dass unsere Fonds weiterhin eine führende Rolle im Bereich verantwortungsbewusster Investments einnehmen.

Geschäftsmodell des Emittenten:

Das Geschäftsmodell von E.ON basiert heute vor allem auf regulierten und weitgehend stabilen Infrastruktur- und Kundengeschäften, nachdem sich der Konzern aus der konventionellen Stromerzeugung weitgehend zurückgezogen hat. Im Zentrum stehen der Betrieb und Ausbau von Strom- und Gasnetzen sowie der Vertrieb von Energie und energienahen Dienstleistungen an Privat- und Geschäftskunden, darunter Lösungen für Energieeffizienz, Elektromobilität und dezentrale Erzeugung wie Solaranlagen. Die Erträge stammen dabei überwiegend aus regulierten Netzentgelten sowie aus dem Vertriebsgeschäft, wodurch das Modell auf planbare Cashflows, Skaleneffekte und die Rolle als zentraler Akteur der Energiewende ausgerichtet ist, insbesondere durch die Integration erneuerbarer Energien und die Digitalisierung der Infrastruktur.

Ergebnisse des Unternehmensdialoges / Handlungsempfehlung:

Im Rahmen eines schriftlichen Austauschs wurden zentrale Fragen zu Marktumfeld, Green Bond Framework, Additionalität und strategischer Ausrichtung gestellt. E.ON betonte eingangs die hohe Resilienz seines Geschäftsmodells gegenüber geopolitischen Unsicherheiten und Marktvolatilität. Dies wurde insbesondere mit der starken Fokussierung auf regulierte Energienetze begründet, aus denen der Großteil des EBITDA stammt und die weitgehend vor Preis- und Volumenrisiken geschützt sind. Zudem bestehen kaum direkte Abhängigkeiten von US‑Dollar‑Exposures oder dem Nahen Osten, wodurch aktuelle geopolitische Entwicklungen nur begrenzten direkten Einfluss auf das Geschäft haben. Gleichzeitig sieht E.ON langfristige Wachstumstreiber insbesondere in Dekarbonisierung, Elektrifizierung, Digitalisierung sowie steigender Nachfrage durch Rechenzentren und KI-Anwendungen und verweist darauf, dass diese Trends die Investitionsstrategie strukturell unterstützen.

Im Hinblick auf den regulatorischen Rahmen wurde erläutert, dass kurzfristige Anpassungen der regulatorischen Zeitpläne – etwa durch die deutsche Bundesnetzagentur – nicht erwartet werden, da diese typischerweise langfristig und stabil ausgelegt sind. Dies wird jedoch nicht als Wachstumshemmnis gesehen; vielmehr betonte E.ON, dass das Unternehmen grundsätzlich bereit wäre, zusätzliche Investitionen vorzunehmen, sofern regulatorische Rahmenbedingungen und zulässige Renditen ausreichend attraktiv ausgestaltet sind.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Green Bond Framework und dessen Ausrichtung. E.ON erklärte, dass das aktuelle Framework weiterhin vollständig an den ICMA Green Bond Principles (2025) orientiert ist, da diese international den dominierenden Marktstandard darstellen. Gleichzeitig wurde hervorgehoben, dass bereits wesentliche Elemente des EU Green Bond Standards integriert wurden, insbesondere die vollständige Ausrichtung der förderfähigen Aktivitäten an der EU-Taxonomie. Die Wahl gegen eine vollständige Umstellung wird somit nicht als Abweichung von regulatorischen Ambitionen verstanden, sondern als bewusst marktstandardorientierter Ansatz mit gleichzeitiger Integration zentraler regulatorischer Anforderungen.

Im Vergleich zwischen den Framework-Versionen wurde thematisiert, dass bestimmte Kategorien wie erneuerbare Energieerzeugung, Energieeffizienz und Elektromobilität im aktuellen Framework nicht mehr enthalten sind. E.ON begründete diese Anpassung mit einer strategischen Fokussierung auf das Kerngeschäft, insbesondere den Ausbau und Betrieb von Stromnetzen. Der Großteil – etwa 90 % – der taxonomiekonformen Investitionen fließt demnach in die Netzinfrastruktur, die als zentraler Hebel der Energiewende interpretiert wird. Gleichzeitig wurde betont, dass andere Aktivitäten weiterhin Teil des Geschäfts sind, jedoch nicht mehr im Fokus des Green Bond Frameworks stehen, um dieses zu vereinfachen und die Wirkungsmessung für Investoren klarer darzustellen.

Bezüglich der Frage nach der Additionalität erklärte E.ON, dass das starke Wachstum der regulierten Vermögensbasis (RAB), welches mit einer erwarteten jährlichen Wachstumsrate von rund 9 % einhergeht, maßgeblich durch zusätzliche Investitionen in Stromnetze getrieben wird. Diese Investitionen werden als zentraler Beitrag zur Energiewende gesehen, da sie die Integration erneuerbarer Energien und die zunehmende Elektrifizierung ermöglichen. Damit argumentiert das Unternehmen, dass auch Investitionen in regulierte Infrastruktur eine transformative Wirkung entfalten, selbst wenn sie Teil langfristig geplanter Netzstrategien sind.

Im Kontext potenzieller Risiken, insbesondere einer möglichen Verlängerung fossiler Infrastruktur durch „grüne“ Finanzierung, stellte E.ON klar, dass Green-Bond-Mittel ausschließlich in Stromübertragungs- und Verteilnetze (EU-Taxonomie Aktivität 4.9) investiert werden. Investitionen in gasbasierte Infrastruktur oder entsprechende Taxonomie-Kategorien sind explizit ausgeschlossen, wodurch dieses Risiko aus Sicht des Unternehmens begrenzt wird.

Den vollständigen Text lesen Sie hier.