Ertragsschätzungen für Aktien und Renten 2020-2025

Jan 28, 2020

Neben der konzentrierten taktischen Steuerung der Portfolios sind für Investoren auch strategische Aspekte des Asset Managements von großer Bedeutung. Ein wichtiger Baustein für unsere Arbeit sind dabei Ertragsschätzungen für die kommenden fünf Jahre, die die wichtigsten Aktien- und Rentenmärkte umfassen.

Diese dienen als Diskussionsgrundlage, um mit unseren Kunden gemeinsam Vorstellungen zu entwickeln, wie ein ökonomisch optimales strategisches Portfolio aussehen könnte und welche realistischen Ertragsziele für das Portfolio bestehen. Ein weiterer nennenswerter Anwendungsbereich für die Ertragsschätzungen liegt bei Mandaten, wo in erster Linie eine Outperformance gegenüber einer Benchmark angestrebt wird. Für diesen Fall lassen sich auf Basis der Ertragsschätzungen strategische Allokationen ausmachen, die einen leichten mittelfristigen Vorteil gegenüber der Benchmark versprechen.

Insgesamt rechnen wir damit, dass die Erträge am Aktien- und Rentenmarkt zukünftig geringer ausfallen werden als in den vergangenen Jahren. Die folgende Tabelle zeigt einen Auszug unserer aktuellen Prognosen.

 

Erwartete Erträge 2020-2024
  Ertragserwartungen nominal *
Aktien  
Stoxx 600 5,6%
MSCI EM 6,1%
S&P 500 6,2%
   
Renten  
10-Jährige Bunds -1,3%
10 Jährige Treasuries 3,8%
Emerging Markets USD 6,3%

* logarithmierte Renditen; für Aktien beruhen die Schätungen auf einem erweiterten
Dividendendiskontierungsmodell; die Prognosen auf der Rentenseite basieren in erster
Linie auf dem Roll-Down, erwarteten Spreadveränderungen und einer Shift-Komponente

 

Für die Planung unserer Kunden und das Management von Multi-Asset-Mandaten ergeben sich daraus einige wichtige Schlussfolgerungen:

  • Auf der Aktienseite liegen die Ertragsschätzungen deutlich unter den Werten, die üblicherweise auf der Basis historischer Renditen geschätzt werden. Sie liegen zudem niedriger als die Schätzungen, die wir mit derselben Methodik vor einem Jahr erstellt haben. Matthias Thiel, Portfoliomanager bei Warburg Invest dazu: „Trotz der insgesamt gesunkenen Ertragserwartungen bleiben Aktien nicht nur absolut attraktiv, sondern vor allem auch auf einer relativen Basis gegenüber Renten.“
  • Exposure zu den Schwellenländern ist strategisch sinnvoller über Renten als über Aktien, weil es eine Risikoprämie für die Anleihen gibt.
  • Bei Industrieländer-Staatsanleihen ist es strategisch sinnvoll, den Nicht-Euro-Raum noch stärker als in der Vergangenheit zu berücksichtigen; höhere Renditen lassen sich für den Euro-Investor in der Regel aber nur dann vereinnahmen, wenn die Währung nicht zu jeder Zeit voll abgesichert ist. Daher hat das Währungsmanagement künftig eine noch höhere Bedeutung.
  • „Prinzipiell lassen sich auch mit reinen Rentenfonds zukünftig noch ansprechende Renditen erzielen“ betont Martin Hattwig, Leiter Fixed Income bei Warburg Invest. Das Umfeld sei jedoch vor allem dann erfolgsversprechend, wenn der Portfoliomanager in Bezug auf die investierten Bonitäten, Zielländer und Laufzeiten mehr Flexibilität als in der Vergangenheit eingeräumt bekomme.
  • Liquid Alternatives dürften nochmals an Bedeutung gewinnen.
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