ESG-Performance in der Corona-Krise

May 20, 2020

Das Coronavirus hat den Kapitalmärkten beispiellose Volatilitätslevels beschert. Obwohl der Kurseinbruch aufgrund der sehr aggressiven geld- und fiskalpokitischen Hilfsmaßnahmen mittlerweile zu einem guten Teil wieder egalisiert wurde, bringt die Pandemie aus unserer Sicht hochgradig disruptive Entwicklungen mit sich; für die Kapitalmärkte, aber wohl noch mehr für die reale Wirtschaft. Der sich ohnehin im Gang befindliche Strukturwandel wird so in seinem Umfang erweitert und beschleunigt. Diese Sachverhalte zeigen sich seit Beginn der Krise in der relativen Performance von Sektoren, und dies wird auch zukünftig der Fall sein.

Lackmustest für Nachhaltigkeitskriterien

Bei Warburg Invest praktizieren wir ESG-konforme Investmentkonzepte seit nunmehr 16 Jahren. Eines der Motive dafür war unsere Überzeugung, dass diese Investmentphilosophie zu „runderen“ Portfolioprofilen führt.

Unser Verständnis von nachhaltigem Investieren zielte schon immer darauf ab, Investmentrisken zu identifizieren, die sich aus Externalitäten, regulatorischen Veränderungen und Reputationsschäden ergeben. Beispiele aus dem Klimaschutz sind die Kosten für CO2-Zertifikate, Emissionsbeschränkungen sowie Strafzahlungen für Abgasmanipulationen. Die Corona-Krise ist auch ein Test dieses Konzeptes.

Die Performance unserer Nachhaltigkeitsfonds, der Vergleich der Performance nachhaltiger Aktienindices mit ihren nicht unter Nachhaltigkeitsaspekten zusammengestellten „Mutterindices“ sowie aktuelle Ausarbeitungen von MSCI ESG und Scope zeigen klar: Lackmustest bestanden.

Scope Analysis: Nachhaltige Aktienfonds: in der Corona-Krise nachhaltiger als ihre konventionellen Pendants. Mehr dazu finden Sie hier

Fundresearch: Grüne ETFs trotzen der Corona-Krise. Mehr dazu finden Sie hier

MSCI - ESG. Mehr dazu finden Sie hier

 

Gedämpfte Verluste  
           
Durchschnittliche Aktienfonds-Performance im ersten Quartal 2020
           
    Nachhaltig   Konventionell
           
Welt   -17,26%   -18,90%  
Europa   -20,70%   -23,10%  
Nordamerika -17,30%   -18,80%  
Schwellenländer -22,10%   -23,50%  
           
Fonds mit Zulassung in Deutschland    
Quelle Scope: Analysis      

 

Instrument ganzheitlicher Analyse von Unternehmen

Bereits die Präsidentschaft von Donald Trump hat der ausgeprägten Globalisierungstendenz der letzten Jahrzehnte einen Dämpfer versetzt, in der Covid19-induzierten Umbruchphase dürfte sich dieser Prozess fortsetzen. Stattdessen rückt „Resilienz“ in jeder Form in den Fokus. Dies meint Widerstandsfähigkeit gegenüber Schocks, in verschiedensten Dimensionen. Bezogen auf die Bilanz eines Unternehmens fallen einem unmittelbar klassische Kennzahlen wie Verschuldungsgrad oder interest coverage ein. Das gestresste Bilanzen aufgrund von exzessiven Aktienrückkäufen (Investment-) Risiken bergen, leuchtet unmittelbar ein.

Wichtig sind aber auch Resilienzfaktoren abseits des Finanzmarktes. Diese finden sich regelmäßig auch im Pflichtenheft einer qualifizierten ESG-Analyse, z.B. bei den unternehmerischen Kontroversen.

Einige Beispiele:

Dimension

Nutzen

Säule Sozial: Vorkehrungen zur Sicherstellung der Gesundheit der Mitarbeiter    

Handlungsfähigkeit

Säule Governance: Diversität in den Gremien

Ideenpool zur Adjustierung des Geschäftsmodells größer

Säule Governance: Diversifizierte Lieferkette

Keine (allzu) große Abhängigkeit von einzelnen Zulieferern

Säule Governance: Stabile Kundenbeziehungen (Preispolitik, Marktauftritt)

Überbrücken einer „Durststrecke“ möglich

 

Corona und der Klimawandel

Die globale Wirtschaftsaktivität dürfte in diesem Jahr nach aktuellen Prognosen um etwa 3 Prozent tiefer ausfallen als 2019, ein dramatisch schlechtes Ergebnis. Der Effekt auf den Klimawandel wird nur marginal ausfallen. Wenn man davon ausgeht, dass der Ausstoß an Treibhausgasen in ähnlicher Größenordnung oder etwas stärker zurückgeht, dürfte der weltweite Ausstoß an CO2 2020 „nur“ rund 35 statt 37 Gigatonnen betragen.

Die Klimawissenschaft postuliert das Konzept eines „maximalen CO2-Budgets“, das mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit noch mit einem „erträglichen“ Temperaturanstieg kompatibel ist. Geht man von noch emittierbaren 500 Gigatonnen aus, entspricht der Corona-Effekt rund 2,5 Prozent.

Fazit: Die Corona-Pandemie verschafft uns etwas Zeit, löst aber keinesfalls das grundsätzliche Problem.

Chancen „Post Corona“

Wir denken, dass die Welt nicht zu „business as usual“ zurückkehren wird, sondern erwarten ein „new normal“. Die Coronakrise wird die schon seit einigen Jahren spürbare Phase der Disruption, in der langfristige Trends wie die Globalisierung grundsätzlich in Frage gestellt werden, weiter forcieren. Zudem werden in den kommenden Jahren „global challenges“ wie der Klimawandel und andere planetare Belastungsgrenzen, technologischer Fortschritt durch Digitalisierung und Automatisierung, der zunehmende Trend zur Urbanisierung und der demographische Wandel immer stärker in den Fokus rücken. Nachhaltige Investmentstrategien verstehen sich per se als qualitätsorientiert und langfristig ausgerichtet. 

Im Rahmen eines breiten analytischen Ansatzes, der nicht einseitig nur Umweltfaktoren bewertet, gibt die Untersuchung der Managementqualität Aufschluss darüber, ob ein Unternehmen eher vergangenheitsorientiert agiert oder sich flexibel auf die neuen Herausforderungen einstellen, also Chancen nutzen kann. Deshalb lässt sich nach unserer Überzeugung zusammenfassend sagen: Nachhaltig agierende Unternehmen passen einfach besser in die Zeit nach Corona.

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