ArcelorMittal – Ein Stahlgigant im Spannungsfeld des Klimawandels

Jul 26, 2021

Anfang Juli haben wir im Rahmen unserer Engagement Strategie mit einem der größten Stahlkonzerne der Welt – Arcelor Mittal – gesprochen. Ziel des Gesprächs war es herauszufinden, wie das Unternehmen einerseits dem zunehmenden Preisanstieg bei CO2-Zertifikaten begegnet und andererseits welche konkreten Klimaschutzmaßnahmen es plant.

Derzeit steht der Konzern innerhalb seiner Branche bei der Beurteilung der Treibhausgasemissionen nicht besonders gut dar. Das nachstehende Schaubild zeigt, dass ArcelorMittal, das Unternehmen mit den höchsten absoluten Treibhausgasemissionen ist und auch bei der Betrachtung der CO2-Intensität gemessen am Verhältnis zwischen erzieltem Umsatz (in Mio. USD) und emittierter Treibhausgase (in Tonnen) zu den schlechtesten des Sektors gehört.

MSCI ESG Research

Quelle: MSCI ESG Research

Folglich dürfte die kürzlich von der europäischen Kommission im Programm „Fit for 55“ bekanntgegebene geplante Reduktion der jährlich ausgegebenen CO2-Zertifikate im Rahmen des europäischen Emissionshandels (ETS) das Unternehmen besonders treffen.

Augenscheinlich ist der Unternehmensführung von ArcelorMittal dieses Problem bewusst, denn im Gespräch wurde uns mitgeteilt, dass die Reduktion der Treibhausgasemissionen intern beim Management mittlerweile höchste Priorität genieße. Demnach plane das Unternehmen eine Reduktion der eigenen Emissionen um 30%, ausgehend vom Basisjahr 2007 bis zum Jahr 2030. Konkrete Maßnahmen, wie dieses Ziel erreicht werden soll, wurden jedoch leider nicht genannt. Auffällig ist, dass die Kopplung von Managementgehältern unterhalb des Toplevels nicht direkt an diese Zielerreichung gebunden ist. Stattdessen setzt das Unternehmen verstärkt auf eine disziplinarische Führung. Weiterhin hat das Unternehmen keine Angaben darüber gemacht, mit welchem CO2-Preis intern kalkuliert wird, geschweige denn über die Höhe des derzeitigen Bestands von Emissionsrechten bzw. über den aktuellen Einstandskurs informiert.

Neben der aktuellen Fokussierung auf die Reduktion der Treibhausgasemissionen lag die Priorität der Unternehmensführung in der Vergangenheit hauptsächlich auf der Vermeidung von Unfällen am Arbeitsplatz, die in den letzten Jahren verstärkt aufgetreten sind. Hier wurde ein ähnlicher Ansatz gewählt, um dieses Ziel zu erreichen. Aktuelle Analysen unseres Research-Providers deuten jedoch darauf hin, dass diese Maßnahmen bislang nicht von Erfolg gekrönt waren, denn noch immer scheinen Arbeitsunfälle mit Todesfolge bei dem Unternehmen überdurchschnittlich oft vorzukommen. 

Infolge des Austausches mit dem Unternehmen ist bei uns nicht der Eindruck entstanden, dass das Unternehmen bereits gut gerüstet  für die notwendige Anpassung des Geschäftsmodells im Hinblick auf die Treibhausgasreduktion ist. So wird beispielsweise das wirksame Instrument der Kopplung der Gehälter von Führungskräften an diese Zielerreichung nur unzulänglich umgesetzt. Zur Konsequenz könnte dies haben, dass die persönlichen Anreize der handelnden Personen möglicherweise nicht groß genug sind, um die Reduktion der Treibhausgase in dem notwendigen Tempo voranzutreiben. Damit steigt die Gefahr, dass das Unternehmen mit erheblichen negativen Auswirkungen durch einen zukünftig ansteigenden CO2-Preis rechnen muss, sobald die aktuellen CO2-Reserven aus den Zeiten günstiger Zertifikatspreise erschöpft sind.

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